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Die 70er Jahre

Flyer1972

So macht sie sich auf den Weg und klopft bei den Webereien der Umgebung an. Damals gab es fast in jedem Ort der Schwäbischen Alb Weber, Spinner, Färber, Konfektionsbetriebe usw., heute gibt es nur noch ganz wenige textilverarbeitende Betriebe dort.

Die heimische Produktion ist längst nach Asien abgewandert, ein Weg, den Erika Hoffmann aus tiefster Überzeugung nie beschritten hat, aber das ist eine andere Geschichte.

Eine Frau, Ehefrau, Mutter von vier kleinen Kindern, die Anfang der 70er Jahre mit 50 DM Taschengeld nicht nur ein Unternehmen gründen wollte, sondern auch noch eines, das mit Babytragetüchern handelt, konnte eigentlich nur scheitern.

Wie sie es dennoch geschafft hat, erst eine Weberei von dieser damals als völlig absurd erscheinenden Idee zu überzeugen und dann auch noch bei der Hausbank das nötige Kapital von 10 TSD D-Mark locker zu machen, das ist uns bis heute ein Rätsel. So viel wissen wir, einfach war das nicht.

 

Prospekt 1972

Der erste “Prospekt” von 1972

Die Weberei wollte aber mehr Tücher weben als Erika Hoffmann brauchte, damit es sich lohnte und so begann sie, ernsthaft über diese Idee als mögliche Geschäftsidee nachzudenken.

Die ersten Tücher die Erika Hoffmann weben ließ, waren schlicht gestreift und hatten Fransen, angenähte und eingewebte. Sie benannte sie nach ihren vier Kindern Tom, Anna, Lisa und Tina.

Kurz danach entwarf sie das Muster „Prima“, das bis heute der Klassiker unter den DIDYMOS Babytragetüchern ist und bereits in vielen Farbstellungen und Materialkombinationen gewebt wurde.

 

War es schon nicht einfach gewesen, eine Weberei zu finden, so musste jetzt die noch viel schwerere Pionierarbeit geleistet werden. Der beste Ort für ein Baby war der Kinderwagen oder die Wiege, aber ganz gewiss nicht ein Babytragetuch am Körper der Mutter – so die landläufige Meinung, die ihr in Briefen, Zuschriften, später auch in Artikeln entgegenschlug, die heute viele Ordner in unserem Archiv füllen.

 

Sie war jedoch so überzeugt von ihrer Idee, dass sie nicht aufgab, obwohl diese Herkulesaufgabe neben der Familie sie oft an ihre körperlichen und seelischen Grenzen brachte. Von Mittwoch auf Donnerstag arbeitete sie jahrelang in ihrem Ein-Frau-Betrieb die Nacht durch.

 

In diesem kurzen Clip erzählt Erika Hoffmann selbst noch einmal, wie alles begann. Das folgende Video ist ein Zusammenschnitt von Aufnahmen im November 2014. Es wurde im Februar 2015 veröffentlicht.

 

 

 

Bindeanleitung1972

Bindeanleitung von 1972

Das war die Zeit, in der sie Werbung machte und Ärzte, Hebammen und Physiotherapeuten anschrieb, um deren Expertisen zu erhalten.

Einer von ihnen war der Wiener Professor und Kinderarzt Dr. Hans Czermak, der sich als erster vehement für eine gewaltfreie Erziehung einsetzte ( Die gesunde Ohrfeige macht krank. Über die alltägliche Gewalt im Umgang mit Kindern, Wien 1980).

Bis zu seinem Tod 1989 waren er und Erika Hoffmann in enger Freundschaft verbunden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Dyade-Sling

Dyade-Sling

Auch in der damaligen DDR war die Idee des Tragens schnell angekommen und Herr Dr. Büschelberger aus Dresden, ein großer Befürworter, entwickelte mit der VEB das sogenannte DYADE-Tuch.

Das Dyade-Tuch kann mit einigem Recht als Vorläufer der heutigen Slings bezeichnet werden. So hatte es bereits die typische Faltung und einen variablen Verschluss. Dass für diesen Verschluss eine Kordel und nicht die praktischeren Ringe verwendet wurden, mag an den DDR-typischen Beschaffungsschwierigkeiten gelegen haben.

 

 

 

 

 

Dyade-Sling-Anleitung

Dyade-Sling-Anleitung

Das Dyade-Tuch wurde vom VEB Baby Chic aus einem leinwandbindigen Kunstfasergewebe hergestellt.

Diese Art von Tragehilfen ist besonders in den USA seit langer Zeit beliebt, weshalb sich der Anglizismus “Ring-Sling” auch bei uns durchgesetzt hat.

 

 

 

 

 

 

1976 zog die Familie und das Ein-Frau-Unternehmen DIDYMOS nach Ludwigsburg, nördlich von Stuttgart gelegen. Anlass war die Versetzung des Ehemanns nach Stuttgart.

In unternehmerischen Dingen noch sehr unerfahren, bedeutete das, quasi von vorne anzufangen. Damals gab es ja noch kein Internet, dank dessen man heute praktisch von überall und immer erreichbar ist, ganz gleich, wo man tatsächlich ist. Das bedeute noch einmal Aufbauarbeit, noch einmal Werbung.

 

1978 begann der erste Lehrling bei DIDYMOS die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, bis heute sind es viele geworden in den Berufen Bürokauffrau, Verkäuferin und Einzelhandelskauffrau, aber zurück zur Entwicklung und der Geschichte.

 

In dieser Zeit entstanden „am Küchentisch“ nach dem „Hüftsitz“ die Bindeweisen „Rucksack“ und „Kängurutrage“. Bald war klar, dass das für größere Menschen mit den kurzen Tüchern Gr. 1 (ca. 220cm) und Gr. 2 (ca. 270cm) nicht gut zu binden war. Es kamen die zwei Größen 3 und 4 dazu.

Übrigens findet man heute diese Größenreferenz bis Gr. 8 bei vielen Tragetuchherstellern, ein Standard, den Erika Hoffmann gesetzt hat.

 

Tragetuch damals und heute

Und noch einen Standard für Tragetücher setzte Erika Hoffmann.

Wegen der Erweiterung auf vier Größen, wurde es zunehmend schwierig, auch noch Fransen an den Enden einzuweben, denn das machte die Einteilung der gewebten Ware schwer.

Etwas Neues musste gefunden werden. Erika Hoffmann, Tochter einer Schneidermeisterin, wusste hier schnell die Lösung.

Der Schneider lässt Stores und Vorhänge abgeschrägt zuschneiden, damit sie gerafft besser fallen.

 

So machen wir es bis heute bei den DIDYMOS-Babytragetüchern.

Die typische Form des Parallelogramms war gefunden.

 

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