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Blick nach vorn - Kommentar von Dr. E. Kirkilionis

So bitte nicht!

“Von dem Tragen weg vom Körper orientiert halte ich nicht viel. Bei dieser Trageweise gehen eigentlich alle Vorteile des Tragens, die die anatomische Seite betreffen, verloren. Die Kinder nehmen keine ideale Beinhaltung mehr ein, die der Hüftdysplasie vorbeugt, diese Trageweise unterstützt sie eher. Die Rumpfhaltung ist für einen Säugling ungeeignet, da bei Tragebeuteln oder mit Tragetuch die Träger bzw. die Tuchbahnen von vorn über die Schultern des Kindes ziehen und sie nach hinten drücken, so dass eine ungünstige aufrechte Haltung forciert wird, die gegebenenfalls ein für dieses Alter unphysiologisches Hohlkreuz veranlasst. Zudem sitzt ein Kind nicht auf dem Po mit Windelpaket, vielmehr wird das Gewicht auf die noch knorpeligen Strukturen der Symphyse, des Beckens verlagert, d. h. es sitzt auf dem Schritt, bei Jungen betrifft das zusätzlich auch die Hoden.

Hinzu kommt, dass ein Baby bei dieser Orientierung mit alle Informationen aus der Umwelt konfrontiert wird. Was wichtig und unwichtig ist, müssen Kleine erst lernen, auch wie man dies sozusagen ausblenden kann. Zunächst stürmen aber alle Reize auf das Kind ein, denen es in dieser Orientierung weg vom Körper ausgeliefert ist.
Sicherlich, Babys werden, so getragen, unwahrscheinlich angeregt und sind ausgesprochen munter. Es scheint ihnen zu gefallen, so viel sehen zu können. Doch die Aufnahme der Informationsflut kann einmal aufgrund dieser starken Reizkomponente, denen sich kleine Babys nicht aus eigener Kraft entziehen können, nicht zum passenden Zeitpunkt beendet werden. Einmal ist ein eigenständiges Abwenden, auch wenn ein Kind dies könnte, prinzipiell nicht möglich, da dies die Trageweise nicht zulässt. Zum anderen, weil ein starkes Reizangebot Babys gefangen halten, auch wenn es zu viel ist.
Ein Abwenden von starken Reizen ist bei Babys möglich, wenn sie ermüden, das Köpfchen zur Seite sackt, die Körperspannung nachlässt, dann geraten die Reizkomponenten aus dem Gesichtsfeld und die Faszination ist unterbrochen. All dies ist bei der vom Körper weg orientierten Trageweise nicht möglich. – Und irgend wann muss diese Informationsflut aufgearbeitet werden, meist in den späten Abendstunden, und dies ist sowieso oft eine kritische Zeit, da hier der Übergang von Wachzustand zum Schlafen gemeistert werden muss, keine einfache Sache für ein Baby.
Wenn die Kleinen also schon so neugierig sind, dass sie mehr von der Umgebung sehen möchten, könnte man sie entweder im seitlichen Hüftsitz tragen, was gegebenenfalls für den Tragenden selbst jedoch eine Rückenbelastung darstellt. Oder man geht zur Rückentrageweise über. Dabei soll das Kind so getragen werden, dass es über die Schulter des Tragenden hinweg die Umgebung beobachten kann. Dies geht nur selten mit den üblichen Tragebeuteln – ein Tragetuch oder dem Tragetuch nachempfundene Tragehilfen – erlauben dies eher.”