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Warum Tragen das SIDS-Risiko senkt
von Dr. William Sears
Kinderarzt und Vater von acht Kindern
Wenn SIDS im Grunde eine Störung der Atmungskontrolle und eine neurologische Unreife ist, wovon ich ausgehe, dann hilft alles, das Risiko für SIDS zu senken, was helfen kann, das neurologische System eines Babys noch auszureifen. Genau das leistet das Tragen von Babys.
Während des Tragens unserer eigenen
Babys nahm ich wahr, wie meine Atmung die ihre beeinflusste,
speziell dann, wenn ich, mit einem schlafenden Baby in einem
Tragetuch an meinen Brustkorb geschmiegt, stillsaß. Wann
immer ich einen tiefen Atemzug nahm, tat dies auch das Baby.
Manchmal war die Stimulanz das Heben und Senken meines
Brustkorbs; andere Male war es die ausgeatmete Luft aus meinem
Mund und meiner Nase, die über das Köpfchen oder die
Wange strich und das Baby zu einem tiefen Atemzug anregte.
Haben Sie sich je darüber gewundert,
warum Mütter in unseren Kulturen jahrhundertelang ihre
Babys in selbstgemachten Tragetüchern trugen? Ich dachte, der
Grund für diese alte Sitte sei einfach, Babys vor den
Gefahren des Dschungels zu schützen oder es der Mutter zu
erlauben, ihre Arbeit zu tun. Falsch! Als ich die
Erziehungsstile unserer Kulturen erforschte, interviewte ich
afrikanische Mütter, die ihre Baby in Tüchern trugen.
Sie waren sich einig, dass das Tragen der Babys ihre Kinder vor
Gefahren schützte, aber das war nicht der Hauptgrund
für das Tragen. Tatsächlich sagten sie: "Es
macht das Leben der Mutter leichter" oder "Es tut
gute Dinge für's Baby". "Was für gute
Dinge?", fragte ich nach. Diese Mütter gaben zur
Antwort: "Die Babys scheinen glücklicher" oder
"Sie schreien weniger" oder "Sie scheinen
zufriedener" oder "Die Babys wachsen besser".
Diese Beobachtungen wurden nicht von
Müttern gemacht, die den "klassischen"
Erziehungsstil pflegen, Bücher über Baby-Bonding
lesen oder sich auf wissenschaftliche Studien stützen. Das
waren Mütter, deren "Ursprung" ihre eigene Kraft
der scharfen Beobachtungsgabe und jahrhundertelange Erfahrung
ist, beides sagte ihnen, dass Babys besser gedeihen, wenn sie
in Tüchern getragen werden. Jetzt haben moderne
Forschungen nachgewiesen, was diese intuitiven Mütter
schon lange wissen: Irgendetwas Gutes passiert mit Babys, die
viel Zeit an versorgende Bezugspersonen gekuschelt verbringen.
Hier die Gründe:
1. Das Tragen hat seinen regulierenden
Einfluss auf das Baby
vornehmlich über das Gleichgewichtsorgan im Innenohr.
In der Gebärmutter wird das sensible
Gleichgewichtsorgan des Babys durch die fetalen Erfahrungen von
fast kontinuierlicher Bewegung angeregt. Das Tragen bietet die
selbe Art dreidimensionaler Bewegung und ruft dem Baby die
Erfahrung der Bewegung und Balance, die es in der
Gebärmutter genoss, ins Gedächtnis zurück. Der
mütterliche Gangrhythmus, an den sich das Baby in der
Gebärmutter gewöhnt hat, wird durch das Tragen in der
"externen Gebärmutter" erneut erlebt.
Aktivitäten wie Schaukeln und Tragen
regen das Gleichgewichtsorgan des Babys an. Diese Stimulation
ist das einfachste Mittel um Babys Atmung und Wachstum zu
unterstützen, speziell für frühgeborene Kinder -
jene mit dem höchsten Risiko für SIDS. Manche Studien
zeigten, dass frühgeborene, professionell überwachte
Babys in wogenden Wasserbetten besser wachsen und weniger
Apnoephasen hatten, als andere Frühgeborene
Neugeborenenstationen begannen eine
Gleichgewichtsstimulationsmethode zu nutzen, die Känguruh-Betreuung genannt wird; dabei werden Frühgeborene Haut an
Haut an Mutters oder Vaters Brustkorb gewickelt. Die Eltern
schaukeln und bewegen sich vorsichtig mit dem Baby. Die
Schaukelbewegung, der Hautkontakt und die rhythmische Bewegung
des elterlichen Brustkorbs durch die Atmung erzeugen die
folgenden vorteilhaften Einflüsse:
- stabilere Atmung
- weniger Episoden periodischer Atmung
- eine gesündere Sauerstoffsättigung im Blut
- schnelleres Wachstum
- weniger Schreien und längere zufriedene Wachphase
- besser Schlaf
2. Bewegung beruhigt Babys
Getragene Kinder zeigen eine
ausgeprägt ruhige Aufgewecktheit, der Verhaltensstatus, in
dem Kinder am besten interagieren und von ihrem
Umfeld lernen können. Forscher
glauben, dass während dieses Verhaltensstatus' die gesamte
kindliche Physis besser arbeitet.
3. Getragene Kinder weinen weniger
Anthropologen, die die Praktiken des
Kindertragens anderer Kulturen studieren, stimmen überein,
dass Kinder in babytragenden Kulturen erheblich weniger weinen.
In westlichen Kulturen messen wir Babygeschrei in Stunden pro
Tag, in anderen Kulturen wird Schreien in Minuten gemessen. Wir
glauben, dass es "normal" für Babys sei, viel zu
schreien, aber in anderen Kulturen wird das als Norm nicht
akzeptiert. (...)
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