Offensichtlich aber nicht das Problem vieler anderer Mütter, die unbedingt "auch so ein Tuch" haben wollten, nachdem sie den Bericht über meine Tragetuch-Idee im "Stern" gelesen hatten. Aber woher nehmen? Mein importiertes Tuch entsprach so gar nicht den hiesigen Ansprüchen in Bezug auf Waschbarkeit und Farbechtheit. Einfach hier in Deutschland Tragetücher weben lassen? Inzwischen war ich so fasziniert von der Idee, dass schon bald viel mehr Kinder getragen anstatt abgelegt werden, dass ich es riskierte, ganz ohne Kapital. Nach unendlich vielen Absagen fand sich eine Weberei in unserer Nähe bereit, genau nach meinen Angaben Tücher zu weben, von Anfang an ohne irgendwelche Chemie, dafür aber gleich eine recht große Anzahl. Jetzt gab es kein Zurück mehr, ich musste für das Tragen werben und entwarf mein erstes kleines Faltblatt.
Damals - also 1971 - galt es als Fortschritt, wenn Textilien "pflegeleicht" ausgerüstet waren. Am einzelnen Kleidungsstück bemerkte man das kaum, stand man aber im Lagerraum einer Weberei, fingen die Augen an zu tränen bei dem beißenden Geruch. Das konnte für Kinder nicht gesund sein. Es bedurfte einiger Überredungskunst, chemiefreien Stoff zu bekommen, und teurer wurde es auch. In dieser Hinsicht haben wir uns nie beirren lassen, lange bevor "umweltfreundlich" und "ökologisch" eine Bedeutung für Eltern bekam. Babys prüfen alles mit dem Mund, und deshalb mussten außerdem die Farben der Didymos-Tücher hundertprozentig schwermetallfrei sein.
Jetzt, da aus den winzigen Anfängen ein veritabler Familienbetrieb gewachsen ist, gilt es, diesen Dialog in Gang zu halten. Viele unserer Mitarbeiterinnen haben inzwischen selbst ihre Kinder getragen oder haben noch kleine Tragebabys. Immer häufiger rufen uns junge Eltern mit den unterschiedlichsten Fragen zu ihrem Baby an. Das bedeutet, dass wir auch unsere Mitarbeiterinnen, die selbst noch keine Kinder haben, für die Fragen und Sorgen junger Eltern sensibilisieren. Als hilfreich hat sich dabei erwiesen, dass dem größeren Familienbetrieb inzwischen auch ein Mehr an Familie zur Seite steht: Zwei Töchter von Erika Hoffmann mit eigenen Kindern sind in der Firma tätig - die erste Generation, die das Tragen aus beiden Perspektiven kennt.
Im Laufe der Zeit haben wir eine große Zahl an Fachliteratur und Erfahrungsberichten rund um das Thema "Tragen von Babys" gesammelt. Eine unserer Aufgaben sehen wir darin, diese Informationen sowohl jungen Eltern als auch dem Fachpersonal zugänglich zu machen. Unser Ziel ist es, allen Babys wieder zu ihrem Recht als "Traglinge" zu verhelfen, die sie von Natur aus sind.
Bei den Kindersachen, die wir nicht selbst herstellen, werden wir weiterhin unsere Kenntnisse nutzen, um Textilien und Spielzeug aus hiesiger Produktion zu finden, die wir auch für unsere eigenen Kinder wählen würden.
Die Tragetücher dazu müssen von unverwechselbarer Qualität sein in Bezug auf die Reinheit des Gewebes und der Farben, aber auch in Bezug auf die Schönheit der Muster. Dabei gehen wir keine Kompromisse ein bei der umweltverträglichen Herstellung - nicht nur beim fertigen Produkt, sondern in der gesamten Verarbeitungskette, angefangen beim Anbau der Baumwolle. Wir legen absoluten Wert darauf, dass an keiner Stelle Kinderarbeit im Spiel ist, dass hohe soziale und ökologische Standards eingehalten werden. Die Konsequenz daraus ist, dass der gesamte Produktionsprozess in Deutschland und angrenzenden Nachbarländern stattfindet. Zudem ist es uns als Familienbetrieb sehr wichtig, dass Berufstätigkeit und Familie sich stressfrei verbinden lassen. Wir bieten deshalb den jungen Müttern in unserer Firma seit Jahren jede Möglichkeit der Teilzeitarbeit an. Möchte eine Mitarbeiterin ihr Baby stundenweise mitnehmen an den Schreibtisch, findet ihr Kind Platz - wenn nicht im Tuch, so im eigens dafür angeschafften Firmenkörbchen. So können junge Mütter ohne schlechtes Gewissen schon früh wieder am Berufsleben teilnehmen. Für dieses Engagement haben wir den baden-württembergischen Preis als Familienfreundlicher Betrieb erhalten.
Dass wir in jedem Jahr mindestens einen Lehrling ausbilden, gehört schon seit Jahrzehnten zur Tradition. Viele dieser Lehrlinge sind nach ihrer Ausbildung in unserem Team geblieben, manche sind auch heute noch mit dabei.
Wir wünschen uns, dass Sie uns weiterhin bei unserer Arbeit mit Lob, Kritik und Anregungen unterstützen, und freuen uns auf den Dialog mit Ihnen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Welt für unsere Kinder ertragbar bleibt.
Ihre
und das DIDYMOS-Team